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In der Wohnung angekommen herrschte Chaos pur. Es wurde geräumt und geräumt und ein Ende war nicht in Sicht. Es dauerte Monate, bis alles so war, wie wir es haben wollten. Aber das war das kleinere Übel. </p>\n<p>Das richtig große Übel war die Tatsache, dass ich kein Faktorpräparat mehr hatte. Denn das fehlte im Gepäck. Mein ehemaliges Hämophilie-Zentrum in Hamburg hatte mir damals kein Faktorpräparat mehr mitgegeben und somit musste ich zwangsläufig ohne das Präparat nach Berlin umziehen. Und das mit einer Blutung. Woher ich diese hatte, weiß ich bis heute nicht. Fakt war: Diese musste behandelt werden. Und dafür brauchten wir ein Hämophilie-Zentrum in Berlin – und zwar schnellstmöglich. Also setzten wir uns mit dem ehemaligen Hämophilie-Zentrum in Hamburg in Verbindung und sie gaben uns eine Adresse in Berlin. Dort wurden wir dann auch schnell vorstellig. An all so etwas haben meine Eltern nicht gedacht, obwohl es wirklich wichtig war.</p>\n<h2><strong>Das neue Hämophilie-Zentrum förderte mehr Eigenständigkeit</strong> </h2>\n<p>In meinem neuen Klinikum angekommen wurde mir sofort das Medikament gespritzt, denn meine bestehende Blutung musste dringend versorgt werden. Dazu gab es ein sehr langes Gespräch zwischen mir, meinen Eltern und dem behandelnden Arzt. Es wurde in die Wege geleitet, dass meine Krankenakte aus Hamburg nach Berlin kam und so konnte ich ab sofort in Berlin versorgt werden. <br/><br/><strong>Das Gute war: </strong>Mein neues Hämophilie-Zentrum gab Betroffenen das Faktorpräparat schon mit nach Hause, damit sich die Bluter selbst substituieren konnten. Das hieß aber auch: Ich musste lernen, mir <strong><a href=\"/was-ist-haemophilie/#therapie-der-haemophilie\">meine Hämophilie-Medikamente</a></strong> selbst zu spritzen. 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Als Flüssigkeit injizierte ich mir damals als Ersatz eine Kochsalzlösung – und das gelang mir richtig gut.</p>\n<p>Aufgrund einer Blutung musste ich wenige Tage\nspäter wieder ins Klinikum und da spritzte ich mir das aller erste Mal mein\nFaktorpräparat selbst in die Vene der linken Armbeuge. Hierbei musste ich darauf\nachten, dass ich mir das Präparat nicht zu schnell injizierte. Ansonsten würden\nOhnmacht, Schwindel oder auch Bewusstlosigkeit folgen, da der Körper die schnelle\nInjektion nicht umsetzen kann. Zwar unter Aufsicht der Ärztin und der Krankenschwester,\naber alles war gut. Ich war happy und stolz auf mich, dass ich das geschafft\nhatte. Und das mit zwölf Jahren. Einfach überwältigend für mich. Nach der\nInjektion des Faktorpräparats musste ich danach aus Sicherheitsgründen noch etwa\n30 Minuten im Krankenhaus ruhen. </p>\n<h2><strong>Selbstsubstitution bei Hämophilie A – ein Stück Unabhängigkeit</strong></h2>\n<p><strong>Da bei mir das selbständige Spritzen richtig gut funktionierte,</strong> bekam ich eine überschaubare Menge an Faktorpräparat mit. Ich spritzte ja damals auch nur bei Bedarf, also noch keine Prophylaxe so wie heute.</p>\n<p>Ich kam stolz „wie Bolle“ mit dem Präparat zu\nHause an und freute mich, mir endlich selbständig mein Hämophilie-Medikament\nselbst spritzen zu können und zu dürfen. Das war auch von Vorteil, denn mein\nVater war immer bei der Arbeit und meine Mutter nicht mobil genug, um schnell\nmit mir ins Hämophilie-Zentrum fahren zu können. </p>\n<p>Dann kam auch schon der „Tag X“ zu Hause. Ich\nmusste mir ganz ohne Krankenschwester oder Ärztin das Faktorpräparat spritzen, denn\nich hatte eine starke Blutung. 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Und darauf kann man ja wohl stolz sein – so sehe ich das zumindest.</p>\n<p>Durch meine Selbstsubstitution habe ich aber\nallerdings auch gelernt, nicht nur mit der rechten Hand zu spritzen, sondern\nauch mit der linken Hand, damit ich nicht immer nur eine Vene bzw. eine Seite\nbelaste. Im Gegensatz zu früher werden heute die jungen Bluter sicher viel\nbehutsamer an das selbständige Spritzen herangeführt, aber dennoch ist es\nwichtig, dass jeder recht früh diese Eigenständigkeit erfährt. Denn nur so\nkönnen Kinder und Jugendliche frühzeitig lernen, dass das gar nicht so schlimm\nist und man davor keine Angst haben muss. Denn dank dieser Medikamente wird das\nLeben lebenswerter und im schlimmsten Falle retten sie auch das Leben.\nZusätzlich macht das eigenständige Spritzen jeden jungen Bluter selbständig und\nman ist im Notfall nicht auf Vater und Mutter angewiesen, sondern man kann sich\nselbständig das Präparat ohne Hilfe injizieren.</p>\n<p><br/><strong>Hast Du Fragen, Anregungen oder Kritik?</strong> Dann schreibe uns gerne eine E-Mail über das <a href=\"/kontakt/\"><strong>Kontaktformula</strong></a><a href=\"/kontakt/\"><strong>r</strong></a>. Wir melden uns schnellstmöglich zurück.</p>\n<p>M-DE-00006265</p>",
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Im Hämophilie-Zentrum übte meine Mutter dies an einer vorgefertigten Puppe und danach an einer Krankenschwester *– unter Beobachtung der Hämophilie-Ärztin*. Ich selbst bekam die Butterflynadel in die Hand gedrückt und musste mich in die Vene des linken Handrückens stechen. Als Flüssigkeit injizierte ich mir damals als Ersatz eine Kochsalzlösung – und das gelang mir richtig gut.\n\nAufgrund einer Blutung musste ich wenige Tage\nspäter wieder ins Klinikum und da spritzte ich mir das aller erste Mal mein\nFaktorpräparat selbst in die Vene der linken Armbeuge. Hierbei musste ich darauf\nachten, dass ich mir das Präparat nicht zu schnell injizierte. Ansonsten würden\nOhnmacht, Schwindel oder auch Bewusstlosigkeit folgen, da der Körper die schnelle\nInjektion nicht umsetzen kann. Zwar unter Aufsicht der Ärztin und der Krankenschwester,\naber alles war gut. Ich war happy und stolz auf mich, dass ich das geschafft\nhatte. Und das mit zwölf Jahren. Einfach überwältigend für mich. Nach der\nInjektion des Faktorpräparats musste ich danach aus Sicherheitsgründen noch etwa\n30 Minuten im Krankenhaus ruhen.\n\n## **Selbstsubstitution bei Hämophilie A – ein Stück Unabhängigkeit**\n\n**Da bei mir das selbständige Spritzen richtig gut funktionierte,** bekam ich eine überschaubare Menge an Faktorpräparat mit. Ich spritzte ja damals auch nur bei Bedarf, also noch keine Prophylaxe so wie heute.\n\nIch kam stolz „wie Bolle“ mit dem Präparat zu\nHause an und freute mich, mir endlich selbständig mein Hämophilie-Medikament\nselbst spritzen zu können und zu dürfen. Das war auch von Vorteil, denn mein\nVater war immer bei der Arbeit und meine Mutter nicht mobil genug, um schnell\nmit mir ins Hämophilie-Zentrum fahren zu können.\n\nDann kam auch schon der „Tag X“ zu Hause. Ich\nmusste mir ganz ohne Krankenschwester oder Ärztin das Faktorpräparat spritzen, denn\nich hatte eine starke Blutung. Ich war sehr nervös, aber ich wusste: „Meikel,\ndas machst Du schon!“ Ich bereitete alles vor, was damals noch etwas\naufwendiger war als heute. Denn das Präparat gab es nicht in allen gängigen\nEinheiten und so musste ich mir meine Anzahl von benötigten Einheiten selbst\n„zusammen bauen“. Aber auch das ging – und es musste gehen.\n\nMeine Mutter beobachtete mein Tun sehr akribisch und dann hatte ich mein **[Debüt „Selbstsubstitution“](/substitution-lernst-du-noch-oder-spritzt-du-schon/)** zu Hause. Zusammen mit ihrer Unterstützung gelang alles super und wir beide waren sehr stolz auf uns. Natürlich gab es auch Tiefs, denn nicht bei jeder Substitution hat alles reibungslos geklappt, aber so ist das nun mal, wenn man mit zwölf Jahren von jetzt auf gleich lernt, sich selbst zu spritzen. Und darauf kann man ja wohl stolz sein – so sehe ich das zumindest.\n\nDurch meine Selbstsubstitution habe ich aber\nallerdings auch gelernt, nicht nur mit der rechten Hand zu spritzen, sondern\nauch mit der linken Hand, damit ich nicht immer nur eine Vene bzw. eine Seite\nbelaste. Im Gegensatz zu früher werden heute die jungen Bluter sicher viel\nbehutsamer an das selbständige Spritzen herangeführt, aber dennoch ist es\nwichtig, dass jeder recht früh diese Eigenständigkeit erfährt. Denn nur so\nkönnen Kinder und Jugendliche frühzeitig lernen, dass das gar nicht so schlimm\nist und man davor keine Angst haben muss. Denn dank dieser Medikamente wird das\nLeben lebenswerter und im schlimmsten Falle retten sie auch das Leben.\nZusätzlich macht das eigenständige Spritzen jeden jungen Bluter selbständig und\nman ist im Notfall nicht auf Vater und Mutter angewiesen, sondern man kann sich\nselbständig das Präparat ohne Hilfe injizieren.\n\n**Hast Du Fragen, Anregungen oder Kritik?** Dann schreibe uns gerne eine E-Mail über das [**Kontaktformula**](/kontakt/)[**r**](/kontakt/). Wir melden uns schnellstmöglich zurück.\n\nM-DE-00006265",
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