---

---

---

---

---

---

---

---

Redaktion · Erstellt: 8. März 2023 · 
Zuletzt aktualisiert: 27. August 2025
 · Aktualisiert nach Überarbeitung: 
Platzhalter
 · Medizinisch geprüft: 
Platzhalter

---

Neue H1 — Version 1
Was unterscheidet leichte und mittelschwere Hämophilie A von der schweren Form?
Neue H1 — Version 2
Wie äussern sich leichte und mittelschwere Hämophilie A und welche Risiken bestehen?

---

---

---

Bei leichter und mittelschwerer 
Hämophilie A
 ist die Aktivität von 
Faktor VIII
 vermindert, aber noch teilweise vorhanden. Bei der leichten Form liegt die Faktor VIII-Aktivität über 5 bis unter 40 Prozent. Bei der mittelschweren Form sind es 1 bis 5 Prozent. Zum Vergleich: Bei der schweren Form liegt sie unter 1 Prozent.
1
 Blutungen treten deshalb seltener auf, meist erst nach Verletzungen, Operationen oder Eingriffen beim Zahnarzt. Trotzdem gilt: Auch bei diesen Formen kann eine Blutung Gelenke schädigen. Deshalb sollten Menschen mit Hämophilie A, unabhängig vom Schweregrad, in einem 
Hämophilie-Zentrum
 betreut werden. Auch sie können von einer vorbeugenden Behandlung (Prophylaxe) profitieren.

---

Auf dieser Seite
Was passiert bei Hämophilie A in der Blutgerinnung?
Wie wird Hämophilie A vererbt?
Wie unterscheiden sich die Schweregrade der Hämophilie A?
Woran erkenne ich eine leichte oder mittelschwere Hämophilie A?
Warum sind Gelenkblutungen bei Hämophilie A so problematisch?
Wie wird eine leichte oder mittelschwere Hämophilie A behandelt?
Was bringt eine vorbeugende Behandlung im Alltag?
Warum empfiehlt das Behandlungsteam eine Prophylaxe?
Was macht die Therapie bei leichter Form herausfordernd?
Wie beeinflusst leichte oder mittelschwere Hämophilie A die Lebensqualität?

---

Das Wichtigste in Kürze
Bei Hämophilie A ist die Aktivität von 
Faktor VIII
 vermindert, wie stark, entscheidet über den Schweregrad und die passende Behandlung.
Die Hämophilie A hat 
drei Schweregrade
, die sich an der Faktor VIII-Aktivität im Blut orientieren: schwer unter 1 Prozent, mittelschwer 1 bis 5 Prozent, leicht über 5 bis unter 40 Prozent.
1
Etwa 
40 Prozent
 aller Menschen mit Hämophilie A leben mit der leichten Form, rund 
10 Prozent
 mit der mittelschweren.
1
Bei leichter Hämophilie A wird die 
Diagnose
 oft erst im 
Erwachsenenalter
 gestellt, meist nach einer Operation, Zahnbehandlung oder größeren Verletzung.
2
Etwa 
ein Viertel aller Gehirnblutungen
 bei 
Hämophilie
 ereignet sich bei Menschen mit leichter oder mittelschwerer Form, ein oft unterschätztes Risiko.
3
Eine 
vorbeugende Behandlung (Prophylaxe)
 senkt das Blutungsrisiko und schützt langfristig Gelenke, Beweglichkeit und Lebensqualität.
4
Eine leichte Hämophilie A ist 
kein
 Grund zur Sorglosigkeit, bei Operationen oder schweren Verletzungen kann sie ohne rechtzeitige Behandlung lebensbedrohlich sein.

---

Was passiert bei Hämophilie A in der Blutgerinnung?

---

Bei der 
Hämophilie A
 ist die Blutgerinnung gestört. Die 
Gerinnungskaskade
 besteht aus vielen verschiedenen Faktoren, die in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen und sich gegenseitig aktivieren. Ist diese Kaskade intakt, wird sie bei einer Gefäßverletzung in Gang gesetzt und läuft von Anfang bis Ende reibungslos ab. Das Blut gerinnt, und ein Netzwerk aus 
Fibrinfäden und Blutplättchen
 bilden einen stabilen 
Wundverschluss 
(Thrombus).

---

Was fehlt bei Hämophilie A in der Gerinnungskaskade?

---

Bei Menschen mit Hämophilie A ist die Aktivität eines dieser Gerinnungsfaktoren gänzlich fehlend oder stark verringert: der 
Faktor VIII
. Der Grund dafür ist ein Defekt in dem 
Gen
, das die Information für den Blutgerinnungsfaktor VIII trägt. Die fehlende Aktivität des Faktor VIII sorgt dafür, dass die 
Gerinnungskaskade nicht vollständig ablaufen
 kann. Das Blut gerinnt nicht oder braucht wesentlich länger.

---

Zur Verdeutlichung kannst Du Dir hier eine Reihe aus Dominosteinen vorstellen. Stößt man den ersten an, fallen alle nacheinander um. Nimmt man einen Stein weg – bei Hämophilie A wäre es der Dominostein Faktor VIII – bleibt der nachfolgende Stein stehen, und die Kettenreaktion wird an dieser Stelle unterbrochen. Es dauert länger, bis die Blutung stoppt.

---

Am Ende der Gerinnungskaskade entsteht normalerweise ein Netzwerk aus Fibrinfäden für einen stabilen Wundverschluss.

---

---

---

---

---

---

---

---

Domino-Illustration der Blutgerinnungskaskade: Der fehlende Faktor VIII unterbricht die Kette, sodass 
Faktor I
 keine Fibrinfäden an der Wunde bilden kann.

---

---

---

---

---

---

---

---

Mehr Informationen über die 
Blutgerinnung 
und 
Blutgerinnungsstörungen 
erfährst Du auf unseren Unterseiten.

---

Wie wird Hämophilie A vererbt?

---

In der Regel sind Männer von 
Hämophilie A
 betroffen. Der Grund dafür ist, dass das 
Gen
 für den 
Faktor VIII
 auf dem 
X-Chromosom
 liegt. Das X-Chromosom gehört zusammen mit dem 
Y-Chromosom
 zu den 
Geschlechtschromosomen
 – sie bestimmen, ob ein Mensch weiblich oder männlich ist. Frauen haben zwei X-Chromosomen, Männer ein X- und ein Y-Chromosom.
5

---

Was bedeutet es, Konduktorin zu sein?

---

Liegt bei einer Frau ein defektes Gen für den Faktor VIII auf einem der beiden X-Chromosomen vor, kann das andere den Fehler ausgleichen und für eine normale Blutgerinnung sorgen. In so einem Fall ist die Frau jedoch eine Trägerin (Konduktorin) für den Gendefekt und kann ihn an ihre Kinder weitervererben. 
Konduktorinnen können dabei selbst Symptome haben und sollten an einem Hämophilie-Zentrum angebunden sein, um bei Bedarf, etwa bei einer Zahnbehandlung, einer Operation oder rund um eine Geburt, behandelt zu werden.
 Theoretisch können auch Frauen an Hämophilie A erkranken, wenn sie zwei X-Chromosomen mit dem defekten Gen für den Faktor VIII haben. Dies kommt jedoch sehr selten vor.

---

Liegt hingegen bei einem Mann dieser Defekt vor, hat er kein zweites X-Chromosom, um dies auszugleichen. Er hat dann die Erkrankung 
„Hämophilie A“
.

---

Detaillierte Informationen zu dem Thema findest Du auf der Unterseite 
„Vererbung“
.

---

Wie unterscheiden sich die Schweregrade der Hämophilie A?

---

Die 
Hämophilie
 lässt sich in verschiedenen Schweregrade einteilen:
1

---

Schweregrad
Faktor VIII
-Aktivität
Häufigkeit
Leichte Hämophilie
> 5 bis < 40 %
40 %
Mittelschwere Hämophilie
≥ 1 bis ≤ 5 %
10 %
Schwere Hämophilie
< 1 %
50 %

---

---

---

---

---

Was bedeutet die Faktor VIII-Restaktivität für den Alltag?

---

Abhängig von der 
Restaktivität
 des Faktor VIII – also wie viel Faktor VIII vorhanden und wie funktionsfähig dieser ist – treten bei den verschiedenen Schweregraden verschiedene 
Symptome
 auf, die unterschiedlich behandelt werden müssen. Wichtig ist jedoch, dass alle Menschen mit 
Hämophilie A
 – unabhängig von ihrem Schweregrad – in einem 
Hämophilie-Zentrum
 behandelt werden sollten. So kann Blutungen, Schmerzen und Langzeitfolgen wie Gelenkproblemen am besten vorgebeugt werden.

---

Woran erkenne ich eine leichte oder mittelschwere Hämophilie A?

---

Bei Betroffenen mit schwerer 
Hämophilie A
 wird die 
Diagnose
 normalerweise aufgrund von 
eindeutigen 
Symptomen
, zu denen auch 
Spontanblutungen
 gehören, und einer folgenden 
genetischen
 Analyse bereits im Kindesalter gestellt. Im Gegensatz dazu dauert es bei Personen mit 
leichter oder mittelschwerer 
Hämophilie
 oft bis ins Erwachsenenalter, bis eine Diagnose feststeht. Grund dafür ist die zumeist 
geringere Blutungsneigung
 bei Patienten mit einem der beiden milderen Schweregraden.
7

---

Welche Symptome zeigen die leichten Formen?

---

Menschen mit leichter Hämophilie A haben im Alltag in der Regel so gut wie keine Probleme. Meist wird erst bei einer Operation, Zahnbehandlung oder schweren Verletzung bemerkt, dass die Blutgerinnung nicht vollkommen intakt ist, da die Blutung länger anhält als gewöhnlich.
8

---

Bei einer 
mittelschweren Hämophilie
 können Blutungen auftreten, die lange andauern, vor allem als Folge einer Verletzung oder Operation. Seltener als bei der schweren Form der Hämophilie kommt es ohne ersichtlichen Anlass zu Blutungen, den sogenannten 
Spontanblutungen
. Trotzdem ist nicht zu vernachlässigen, dass auch bei der mittelschweren Variante durch Gelenkblutungen Folgeschäden und dauerhafte Beeinträchtigungen entstehen können.
9

---

Die Blutungslokalisationen sind aber bei Patienten mit leichter oder mittelschwerer Hämophilie dieselben wie bei der schweren Form der Hämophilie.

---

Warum können auch leichte Formen ernst werden?

---

Aber Achtung: Bei beiden Schweregraden können schwere Blutungen nach Verletzungen oder Operationen ohne die entsprechende 
Therapie
 lebensbedrohlich sein.

---

Ebenfalls potenziell lebensbedrohlich sind Gehirnblutungen. Risikofaktoren für eine Gehirnblutung sind der Schweregrad der Hämophilie sowie virale Infektionen wie HIV oder 
Hepatitis
 C bei Erwachsenen mit leichter oder mittelschwerer Hämophilie. Bei ihnen treten Gehirnblutungen eher im höheren Alter (im Schnitt 62,5 Jahre) auf als bei Menschen mit schwerer Hämophilie (im Schnitt 45 Jahre).
10
 Kinder mit schwerer Hämophilie haben bereits bei einer komplizierten Geburt ein erhöhtes Risiko für eine Gehirnblutung.

---

Auch bei einer späten Diagnosestellung der Hämophilie ist es möglich, dass bereits frühzeitig Hämophilie-bedingte Symptome vorhanden sind, diese jedoch nicht als solche erkannt und nicht mit der Erkrankung in Verbindung gebracht werden. So können über Jahre hinweg kleinere Blutungen, z. B. in Gelenken, Schäden verursachen, die dann schlussendlich zu einer Beeinträchtigung in der Beweglichkeit des Gelenks und der Mobilität führen können.

---

Eine ausführliche Auflistung Hämophilie-bedingter Symptome haben wir Dir auf der Unterseite 
„Symptome“
 zusammengestellt.

---

Unser Blogger Jonah berichtet auf unserem YouTube-Kanal über seine Erfahrungen mit 
mittelschwerer Hämophilie A
:

---

▶

---

---

---

---

---

---

---

---

Warum sind Gelenkblutungen bei Hämophilie A so problematisch?

---

Gelenkblutungen 
und die daraus folgenden 
Gelenkschäden
 sind die häufigsten Probleme, mit denen Menschen mit 
Hämophilie
 zu kämpfen haben. Wie häufig Blutungen auftreten, ist abhängig von der verbliebenen 
Faktorrestaktivität
 und dem klinischen 
Blutungsphänotyp
. In der Regel treten aber Gelenkblutungen häufiger auf, je weniger aktiver 
Faktor VIII
 vorhanden ist.
2, 
11

---

Je höher die 
Restaktivität
 des Faktor VIII, desto seltener treten bei 
Hämophilie A
 Gelenkblutungen auf.

---

---

---

---

---

---

---

---

Wie entsteht der Kreislauf aus Blutungen und Schäden?

---

Ist es einmal zu einer Gelenkblutung gekommen, wird das Gelenk anfälliger für weitere Blutungen, und mit jeder weiteren Blutung kann sich der entstandene Schaden vergrößern. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Versteifung des Gelenks kommen.
12

---

Schematische Darstellung eines Gelenks mit typischen Folgeschäden nach wiederholten Einblutungen.

---

---

---

---

---

---

---

---

Kreislaufdiagramm: Wiederholte Gelenkblutungen führen über Entzündung und Knorpelschäden zu weiteren Einblutungen.

---

---

---

---

---

---

---

---

Warum gilt Hämophilie als fortschreitende Erkrankung?

---

Deswegen kann die Hämophilie auch als 
progressive (fortschreitende) Erkrankung
 angesehen werden. Der Schweregrad ändert sich zwar im Laufe des Lebens nicht, doch die durch die Hämophilie verursachten Schäden und Einschränkungen können sich im Laufe des Lebens 
akkumulieren
 und erhebliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Dazu gehören neben den behandelbaren Schmerzen auch 
irreversible Gelenkschäden
 und die damit einhergehende 
Immobilität
. Doch mit der richtigen (prophylaktischen) 
Therapie
 kann dem vorgebeugt werden.

---

Der Großteil der Menschen mit Hämophilie, die älter sind als 20 Jahre, haben Gelenkblutungen. Davon treten ca. 80 Prozent in den Sprung-, Knie- und Ellenbogengelenken auf.
13

---

Schweregrad
Durchschnittliches Alter bei erster Gelenkblutung
Gelenkblutungsfrei im Alter von 20 Jahren
Leichte Hämophilie
14,2 Jahre
54 %
Mittelschwere Hämophilie
6,7 Jahre
20 %
Schwere Hämophilie
1,9 Jahre
5,6 %

---

---

---

---

---

Wie wird eine leichte oder mittelschwere Hämophilie A behandelt?

---

Eine 
Hämophilie
 lässt sich 
gut mit Medikamenten behandeln
. Die Medikamente ersetzen den fehlenden Gerinnungsfaktor und übernehmen im Körper seine Funktion. Damit es nicht zu Blutungen kommt, ist – abhängig vom Schweregrad – eine lebenslange Behandlung erforderlich. Dabei unterscheidet man zwischen einer 
Dauertherapie (Prophylaxe) 
zur Vorbeugung von Blutungen und der 
akuten Therapie (Bedarfsbehandlung)
, bei der die Medikamente nach Bedarf (im Falle von Blutungen) angewendet werden.

---

Welche Therapieklassen kommen zum Einsatz?

---

Welche 
verschiedenen 
Therapieoptionen
 bei der 
Hämophilie A
 zur Verfügung stehen, erfährst Du auf der Unterseite 
„Therapie“
.

---

Für die Behandlung der Hämophilie A gibt es drei Therapieklassen mit unterschiedlichen Wirkweisen. 
Faktor VIII-Mimetika
 sind nicht-faktorbasiert. Sie ahmen eine wichtige Aufgabe von 
Faktor VIII
 nach und bilden die Brücke zwischen aktiviertem 
Faktor IX
 und 
Faktor X
. 
Faktor VIII-Präparate
 sind faktorbasiert. Sie ersetzen den fehlenden oder verminderten Faktor VIII direkt und werden in die Vene gespritzt. 
Rebalancing Agents
 setzen an einer anderen Stelle der Blutgerinnung an. Sie unterstützen das Gleichgewicht zwischen gerinnungsfördernden und gerinnungshemmenden Vorgängen. So stehen drei eigenständige Therapieprinzipien nebeneinander. Aus ihnen wählt das Hämophilie-Zentrum gemeinsam mit den Betroffenen die passende Option aus.
1

---

Wie funktioniert die Bedarfsbehandlung?

---

Bei der 
Bedarfsbehandlung 
wird immer dann das Medikament gespritzt, wenn Bedarf besteht – daher der Name. Kommt es also zu einer Verletzung oder steht eine Operation an, wird das Medikament verabreicht, um eine Blutung zu stoppen.

---

Wie ist die Prophylaxe-Situation bei leichter und mittelschwerer Form?

---

Bei Hämophilie A ist jede Blutung eine zu viel. Doch während bei Menschen mit einer schweren Hämophilie die Behandlung und das 
Therapiemanagement
 gut etabliert sind, gibt es zur 
prophylaktischen
 Behandlung
 der leichten und mittelschweren Hämophilie nur wenig Informationen. Laut Studien erhalten nur 29 bis 69 Prozent der Menschen mit einer leichten oder mittelschweren Hämophilie eine Prophylaxe.
8, 14
 Findet keine prophylaktische Behandlung statt, kann es zu einer Verschlechterung der krankheitsbedingten Einschränkungen kommen. Ca. 85 Prozent der Betroffenen mit mittelschwerer Hämophilie haben im Laufe ihres Lebens Gelenkblutungen, die zu Gelenkproblemen und somit zu einer 
Beeinträchtigung der 
Lebensqualität
 führen können.
9
, 
15

---

Was bringt eine vorbeugende Behandlung im Alltag?

---

Die 
prophylaktische
 Behandlung hingegen wird unabhängig von bestimmten Ereignissen verabreicht. Stattdessen wird das Medikament 
regelmäßig in festgelegten Abständen
 gespritzt. So kann sich ein gewisser 
Wirkspiegel
 des Medikaments
 im Blut anreichern. Sollte es zu einer Verletzung kommen, ist bereits genügend Medikament im Blut vorhanden, so dass die Blutgerinnung reibungslos abläuft und die Blutung gestoppt wird. Dennoch muss die Schwere der Verletzung beachtet werden. Für größere Verletzungen ist eventuell noch eine ergänzende Bedarfsbehandlung notwendig.
16

---

Definition von 
Prophylaxe
 (Vorbeugung) der WFH: Die regelmäßige Verabreichung eines Medikaments, mit dem Ziel, Blutungen zu verhindern und ein Leben mit der gleichen Lebensqualität wie bei 
nicht-hämophilen
 Menschen zu erlauben.
1

---

Welche Vorteile spüren Betroffene im Alltag?

---

Die 
Prophylaxe 
ist demnach eine 
Therapiemöglichkeit
, die Blutungsereignisse reduziert und dementsprechend auch das Risiko für Langzeitfolgen von Blutungen wie Gelenkschäden verringert. Das wiederum ermöglicht eine höhere Lebensqualität. Je früher mit der prophylaktischen 
Therapie
 begonnen wird, desto besser. Aber auch mit zunehmendem Alter lohnt sich der Wechsel noch. Eine Studie zeigte, dass mit dem Wechsel zu einer vorbeugenden Therapie 94 Prozent weniger Blutungen bei schwerer 
Hämophilie A
 auftraten.
4
 Betroffene haben 
weniger Spontan- und Gelenkblutungen
 und dadurch weniger Gelenkschäden und Schmerzen. Das wiederum führt zu einer besseren Lebensqualität, höherer Aktivität und zu weniger krankheitsbedingen Arbeitsausfällen.

---

Die Vorteile einer Prophylaxe gelten jedoch ebenfalls für die leichte und mittelschwere 
Hämophilie
. Denn auch hier sollte jede Blutung vermieden werden.

---

Warum empfiehlt das Behandlungsteam eine Prophylaxe?

---

Natürlich sind Ärztinnen und Ärzte bestrebt, dass die Patienten die bestmögliche 
Therapie
 erhalten und so wenig Blutungen und dauerhafte Beeinträchtigungen wie möglich erfahren. Letztlich liegt es aber in der Hand der Betroffenen, ob und wie sie eine Therapie befolgen.

---

Welche Faktor-Spiegel gelten in den Leitlinien als Ziel?

---

Um Gelenkschäden vorzubeugen, sind laut den Querschnitts-Leitlinien der Hämotherapie der Bundesärztekammer und der World Federation of Hemophilia (WFH) minimale Faktorspiegel von drei bis fünf Prozent im Blut notwendig.
17
 Zur Vorbeugung von Blutungen sind sogar 20 Prozent Faktorspiegel erstrebenswert.
2, 18
 Denn Gelenkschäden können über die Zeit auch ohne das Auftreten von sichtbaren Gelenkblutungen entstehen.
13, 19, 20
 Und genau diese Gelenkschäden und dauerhaften Beeinträchtigungen sollten verhindert werden, um Menschen mit 
Hämophilie
 eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen.

---

Wie bei allen Erkrankungen richtet sich die Therapie der Hämophilie auch nach den Leitlinien. Die Bundesärztekammer (BÄK) und die WFH kontrollieren regelmäßig, ob die Leitlinien noch aktuell sind. Liegen neue Erkenntnisse aus Forschung und Praxis vor, werden die Leitlinien aktualisiert. So haben BÄK und WFH kürzlich neue Empfehlungen für die 
prophylaktische
 und die Bedarfsbehandlung veröffentlicht. Dazu gehört, dass auch bei mittelschwerer (moderater) Hämophilie eine Blutungsvorbeugende Dauerbehandlung indiziert sein sollte, wenn gelegentliche bis häufige Blutungen, insbesondere Gelenkblutungen auftreten (BÄK, 2020).
17

---

Was macht die Therapie bei leichter Form herausfordernd?

---

Die P
rophylaxe hat eindeutige Vorteile gegenüber der Bedarfsbehandlung
. Trotzdem wendet nur ein Teil der Menschen mit mittelschwerer 
Hämophilie A
 eine 
prophylaktische Therapie
 (vorbeugende Behandlung) an. Optimalerweise würde jedoch jeder Mensch mit 
Hämophilie
 eine 
Prophylaxe
 (Vorbeugung) erhalten. Doch was sind die Gründe dafür?

---

Warum ist die späte Diagnose ein Hauptproblem?

---

Ein wichtiger Punkt ist die Tatsache, dass Menschen mit mittelschwerer Hämophilie und besonders mit leichter Hämophilie erst spät diagnostiziert werden. Dann kann eine prophylaktische Therapie eine
 große Umstellung im Erwachsenenalter
 bedeuten, da man nicht von klein auf an die 
Therapie
 gewöhnt ist. Auch sind die Betroffenen nicht seit dem Kindesalter an damit vertraut, wie sich Blutungen äußern und welche 
Symptome
 wann auftreten. Das kann dazu führen, dass Blutungen zu spät oder gar nicht erkannt bzw. behandelt werden. Zusätzlich treten besonders bei der leichten Hämophilie nur selten Blutungen auf, weswegen die Notwendigkeit einer Prophylaxe für Betroffene möglicherweise nicht so groß erscheint wie bei einer schweren Hämophilie.

---

Wie lassen sich diese Hürden gemeinsam überwinden?

---

Doch auch bei der leichten und mittelschweren Hämophilie gilt: 
Jede Blutung ist eine zu viel
. Denn auch wenn sie nur selten auftreten, können sie über die Zeit Schäden anrichten und zu Einschränkungen führen. Deswegen sollte JEDER Mensch mit Hämophilie – unabhängig vom Schweregrad – in einem Hämophilie-Zentrum betreut werden, um die für ihn bestmögliche Versorgung zu erhalten.

---

Wie beeinflusst leichte oder mittelschwere Hämophilie A die Lebensqualität?

---

Aufgrund der momentan nicht optimalen Therapiesituation vieler Patienten mit leichter und mittelschwerer 
Hämophilie
, ist auch die Lebensqualität der Betroffenen eingeschränkt.

---

Leichte Hämophilie
Mittelschwere Hämophilie
Schmerzen (%)
 
 
Keine Schmerzen
63,4
33,3
Leichte Schmerzen
36,6
44,4
Moderate Schmerzen
0
20,8
Starke Schmerzen
0
1,4
Gelenkprobleme (%)
19,5
38,9
Reduzierte körperliche Aktivität (%)
36,6
44,5
Reduzierte soziale Aktivitäten (%)
9,7
38,8
Verpasste Chancen aufgrund der Hämophilie (%)
31,7
36,1
Frustration aufgrund der Hämophilie (%)
19,5
34,7

---

---

---

---

---

---

---

---

---

---

---

---

Welche Lebensbereiche sind besonders betroffen?

---

So schränkt die Hämophilie aufgrund von Schmerzen oder Einschränkungen in der Beweglichkeit Betroffene in ihrer Freizeitgestaltung ein. Doch nicht nur der Körper, sondern auch die 
Psyche
 kann durch die Erkrankung belastet werden und zu Frustration führen.

---

So vergleicht eine Studie Patienten mit leichter und schwerer 
Hämophilie A
 unter anderem in Bezug auf die Einschätzung der eigenen Gesundheit (1 = sehr gut, 5 = sehr schlecht) und an wie vielen Tagen pro Jahr alltägliche Aufgaben aufgrund der Erkrankung nicht erledigt werden konnten. Die Ergebnisse liegen erstaunlich nah beieinander und lassen vermuten, dass die Auswirkungen der leichten Hämophilie auf den Alltag und die Gesundheit der Betroffenen oft unterschätzt wird.

---

Schweregrad
Leichte Hämophilie
Schwere Hämophilie
Eigene Gesundheit
2,1
2,6
Problematische Tage
19,6
19,1

---

---

---

---

Was hilft, die Lebensqualität wieder zu heben?

---

Dem allen kann jedoch mit der richtigen 
prophylaktischen
 Therapie entgegengewirkt werden. Durch das regelmäßige Verabreichen des Medikaments wird das Blutungsrisiko und somit die Auswirkungen von Blutungen reduziert. Das wiederum wirkt sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit aus und steigert die Lebensqualität.

---

Wenn Du also mit Deiner Therapie unzufrieden bist, das Gefühl hast, dass Du etwas verbessern möchtest oder Dich einfach mal über neue 
Therapieoptionen
 informieren willst: Sprich Dein Behandlungsteam darauf an oder mache einen Termin im nächstgelegenen 
Hämophilie-Zentrum
.

---

Häufige Fragen (FAQ)
Wie hoch ist mein Risiko für Gelenkblutungen bei mittelschwerer Hämophilie A?
Bei mittelschwerer Hämophilie A mit einem 
Faktor VIII
-Ausgangswert von 1 bis 2 Prozent liegt die jährliche Rate an Gelenkblutungen bei etwa 5,5, auch dann, wenn ein Teil der Betroffenen bereits eine vorbeugende Behandlung erhält.
9
 Deine persönliche Rate kann je nach Alltag, körperlicher Aktivität und individuellem Blutungsmuster abweichen. Das Team im Hämophilie-Zentrum kann Dein Risiko einschätzen und die Therapie passend abstimmen.
Muss ich mir mit leichter oder mittelschwerer Hämophilie A auch Sorgen um eine Gehirnblutung machen?
Eine Gehirnblutung ist bei allen Schweregraden möglich, aber selten. Etwa ein Viertel aller Gehirnblutungen bei Hämophilie ereignet sich bei Menschen mit leichter oder mittelschwerer Form.
3
 Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem höheres Alter, virale Infektionen und ein schlecht eingestellter Blutdruck. Warnzeichen wie starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder plötzliche Bewusstseinsveränderungen gehören sofort in ärztliche Hand.
Was passiert, wenn ich mit einer Blutung in die Notaufnahme muss?
Menschen mit Hämophilie sollten in der Notaufnahme sofort untersucht und behandelt werden, auch bei scheinbar kleineren Beschwerden, die sich rasch verschlechtern können.
1
 Es hilft, einen Notfallausweis dabei zu haben und das Team im Krankenhaus über Deinen Schweregrad und die aktuelle Therapie zu informieren. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel Kontakt mit dem Hämophilie-Zentrum aufnehmen als zu wenig.
Warum kann Stress oder eine Verletzung meinen Faktor VIII-Spiegel kurzzeitig anheben?
Bei leichter und mittelschwerer Hämophilie A können Stress oder eine Verletzung den körpereigenen Faktor VIII-Spiegel vorübergehend erhöhen und für kurze Zeit einen zusätzlichen Schutz bieten.
9
 Für geplante Eingriffe oder länger anhaltende Blutungen bleibt aber die vom Hämophilie-Zentrum abgestimmte Behandlung die verlässliche Basis. So bist Du im Ernstfall unabhängig von Zufallseffekten geschützt.

---

Fazit
Leichte und mittelschwere Hämophilie A sind heute 
gut kontrollierbar
. Die meisten Menschen mit einer dieser Formen führen mit der passenden Betreuung ein aktives Leben. Entscheidend ist, den eigenen Schweregrad zu kennen, Blutungssignale früh zu deuten und Situationen wie Operationen, Zahnbehandlungen oder größere Verletzungen gemeinsam mit dem Behandlungsteam vorzubereiten. Auch eine 
vorbeugende Behandlung (Prophylaxe)
 ist bei leichter und mittelschwerer Hämophilie A eine wertvolle Option, gerade dann, wenn wiederholt Gelenkblutungen auftreten.
Ein 
Hämophilie-Zentrum
 ist die beste Adresse für alle Fragen rund um Diagnostik, Therapie und Alltag mit Hämophilie A, unabhängig vom Schweregrad. Dort arbeitet ein erfahrenes Team gemeinsam mit Dir an einer Behandlung, die zu Deinem Leben passt. Mit einer guten Betreuung lassen sich Blutungen vorbeugen, Gelenke schützen und die 
Lebensqualität
 langfristig erhalten.

---

Wenn Du Fragen zu leichter oder mittelschwerer Hämophilie A hast, schreib uns gerne über das 
Kontaktformular
.

---

Quellen
Srivastava A, Santagostino E, Dougall A, Kitchen S, Sutherland M, Pipe SW, et al. WFH guidelines for the management of hemophilia, 3rd edition. Haemophilia. 2020. doi:10.1111/hae.14046
den Uijl IEM, Mauser Bunschoten EP, Roosendaal G, Schutgens REG, Biesma DH, Grobbee DE, et al. Clinical severity of haemophilia A: does the classification of the 1950s still stand? Haemophilia. 2011;17(6):849–53.
Zanon E, Pasca S, Demartis F, Tagliaferri A, Santoro C, Cantori I, et al. Intracranial haemorrhage in haemophilia patients is still an open issue: the final results of the Italian EMO.REC registry. J Clin Med. 2022;11(7):1969.
Manco-Johnson MJ, Lundin B, Funk S, Peterfy C, Raunig D, Werk M, et al. Effect of late prophylaxis in hemophilia on joint status: a randomized trial. J Thromb Haemost. 2017;15:2115-24.
Soucie JM, Miller CH, Dupervil B, Le B, Buckner TW. Occurrence rates of haemophilia among males in the United States based on surveillance conducted in specialized haemophilia treatment centres. Haemophilia. 2020;26(3):487-493.
Blanchette VS, Key NS, Ljung LR, Manco-Johnson MJ, van den Berg HM, Srivastava A, for the Subcommittee on Factor VIII, Factor IX and Rare Coagulation Disorders. Definitions in hemophilia: communication from the SSC of the ISTH. J Thromb Haemost. 2014;12:1935-9. doi:10.1111/jth.12672
selpers. Symptome bei Hämophilie [Internet]. [zuletzt abgerufen: 26.06.2026]. Verfügbar unter: 
https://selpers.com/lektion/haemophilie-verstehen-symptome-bei-haemophilie/
den Uijl IEM, Mauser Bunschoten EP, Roosendaal G, Schutgens REG, Biesma DH, Grobbee DE, et al. Clinical severity of haemophilia A: does the classification of the 1950s still stand? Haemophilia. 2011;17(6):849–53.
Collins PW, Obaji SG, Roberts H, Gorsani D, Rayment R. Clinical phenotype of severe and moderate haemophilia: who should receive prophylaxis and what is the target trough level? Haemophilia. 2021;27(2):192-198. doi:10.1111/hae.14219
Zanon E, Pasca S, Demartis F, Tagliaferri A, Santoro C, Cantori I, et al. Intracranial haemorrhage in haemophilia patients is still an open issue: the final results of the Italian EMO.REC registry. J Clin Med. 2022;11(7):1969.
Måseide RJ, Berntorp E, Nummi V, Lassila R, Tjønnfjord GE, Holme PA. Bleeding phenotype of patients with moderate haemophilia A and B assessed by thromboelastometry and thrombin generation. Haemophilia. 2021;27:793–801.
Raffini L, Manno C. Modern management of haemophilic arthropathy. Br J Haematol. 2007;136(6):777-87.
Valentino LA. Blood-induced joint disease: the pathophysiology of hemophilic arthropathy. J Thromb Haemost. 2010;8(9):1895-902.
Scott MJ, Xiang H, Hart DP, Palmer B, Collins PW, Stephensen D, et al. Treatment regimens and outcomes in severe and moderate haemophilia A in the UK: The THUNDER study. Haemophilia. 2019;25(2):205-12.
Walsh C, Boggio L, Brown-Jones L, Miller R, Hawk S, Savage B, et al. Identified unmet needs and proposed solutions in mild-to-moderate haemophilia: a summary of opinions from a roundtable of haemophilia experts. Haemophilia. 2021;27(S1):25-32.
Deutsche Hämophiliegesellschaft e.V. (DHG). Therapieprinzipien bei Hämophilie [Internet]. [zuletzt abgerufen: 26.06.2026]. Verfügbar unter: 
https://www.dhg.de/behandlung/therapieprinzipien/haemophilie.html
Bundesärztekammer. Leitlinienreport der Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten, Gesamtnovelle 2020. Berlin: Bundesärztekammer; 2020.
Soucie JM, Monahan PE, Kulkarni R, Konkle BA, Mazepa MA; for the US Hemophilia Treatment Center Network. The frequency of joint hemorrhages and procedures in nonsevere hemophilia A vs B. Blood Adv. 2018;2(16):2136-2144.
Olivieri M, Kurnik K, Pfluger T, Bidlingmaier C. Identification and long-term observation of early joint damage by magnetic resonance imaging in clinically asymptomatic joints in patients with haemophilia A or B despite prophylaxis. Haemophilia. 2012;18(3):369–374.
Oldenburg J. Optimal treatment strategies for hemophilia: achievements and limitations of current prophylactic regimens. Blood. 2015;125(13):2038-44.

---

Inhaltlich geprüft: M-DE-XXXXXXXX

---

Mehr zum Thema
Prophylaxe bei mittelschwerer Hämophilie A
Der „schwere Blutungsphänotyp“ bei mittelschwerer Hämophilie – was bedeutet das?
Leitlinien-Empfehlungen bei Hämophilie A
Was passiert bei Gelenkblutungen bei Hämophilie A?
Mehr zum Thema aus unserer Community
Fehlende Zentrumsanbindung bei mittelschwerer Hämophilie
Prophylaxe – ja oder nein?

---
