```json { "modus": "a", "headwords": ["Compliance"], "skip": [], "sources": [ {"n": 1, "zitat": "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). gesundheitsinformation.de — Glossar.", "url": "https://www.gesundheitsinformation.de/glossar/", "abrufdatum": "06.06.2026"}, {"n": 2, "zitat": "Srivastava A, Santagostino E, Dougall A, et al. WFH Guidelines for the Management of Hemophilia, 3rd edition. Haemophilia. 2020;26(Suppl 6):1–158.", "url": "https://www1.wfh.org/publications/files/pdf-1863.pdf", "abrufdatum": null}, {"n": 3, "zitat": "Hoefnagels JW, et al. Adherence to prophylaxis and its association with activation of self-management and treatment satisfaction. Haemophilia. 2021;27(4):581–590.", "url": "https://doi.org/10.1111/hae.14333", "abrufdatum": null}, {"n": 4, "zitat": "Astermark J, et al. Considerations for shared decision management in previously untreated patients with hemophilia A or B. Ther Adv Hematol. 2023;14:1–21.", "url": "https://doi.org/10.1177/20406207231165857", "abrufdatum": null} ], "blocks": [ {"origin": "changed", "html": "
Der Begriff „Compliance“ besagt, dass ein Mensch mit Hämophilie A die vom Behandlungsteam festgelegte Therapie befolgt. Dabei wurde die Therapieentscheidung allein von der Ärztin oder dem Arzt getroffen und die betroffene Person war nicht an der Entscheidung beteiligt.
", "annotation": "Erster Satz an die abgesegnete Personensprache angepasst (Mensch mit Hämophilie A statt Patientin/Patient) gemäß Akte 1.6 (Bezeichnung). Zweiter Satz wortgleich aus dem Original übernommen.", "quelle_n": 2, "input_citation_ids": ["c2"]}, {"origin": "new", "html": "Im Gegensatz zur Adhärenz hat die betroffene Person bei der Compliance eine eher passive Rolle. Sie befolgt nur die Vorgaben vom Behandlungsteam und übernimmt selbst keine Verantwortung für die Therapieentscheidung.
", "annotation": "Original-Absatz wortgleich aus dem 1:1-Bestand übernommen — erklärt die passive Rolle bei Compliance und grenzt sie von der Adhärenz ab.", "quelle_n": null}, {"origin": "new", "html": "In der Praxis heißt das: Wer Faktor VIII-Präparate oder Faktor VIII-Mimetika vorbeugend anwendet, hält sich an Dosis und Zeitabstände, die das Behandlungsteam festgelegt hat — und das in allen Altersgruppen, denn nur durch dieses verlässliche Befolgen lassen sich Blutungen verhindern.{{ref:3}} Bewährt hat sich die Heimselbstbehandlung: Sie ermöglicht Menschen mit Hämophilie A ein weitgehend normales Leben, sofern Betroffene, Familien und Behandlungsteam gut über die vorbeugende Behandlung geschult sind.{{ref:2}} In der Jugend, wenn die Verantwortung für die eigene Behandlung von den Eltern auf den jungen Menschen übergeht, kann das Befolgen zeitweise nachlassen — bei Hämophilie A fällt dieser Effekt dank der engen umfassenden Betreuung im Hämophilie-Zentrum oft milder aus als bei anderen chronischen Erkrankungen.{{ref:4}}
", "annotation": "Praxisbild zu Hämophilie A: Befolgen über alle Altersgruppen (Hoefnagels 2021, c1), Heimselbstbehandlung mit Schulung (WFH 2020, c2), Übergang Eltern → Jugendliche bei Hämophilie A (Astermark 2023, c3).", "quelle_n": 2, "input_citation_ids": ["c1", "c2", "c3"]}, {"origin": "new", "html": "Lässt das Befolgen der vorbeugenden Behandlung nach, sinkt deren Schutzwirkung. Im schlimmsten Fall wird die Vorbeugung abgebrochen — und das setzt Menschen mit Hämophilie A einem deutlich erhöhten Blutungsrisiko aus.{{ref:2}} Umgekehrt gilt: Eine gut erreichbare Versorgung, persönliche Begleitung und verständliche Information helfen dabei, die verordnete vorbeugende Behandlung verlässlich anzuwenden, und tragen so zu besseren Behandlungsergebnissen bei.{{ref:4}} Für Menschen mit Hämophilie A bedeutet das: Therapietreue ist ein zentraler Hebel, um Gelenke, Muskeln und den Alltag vor Blutungen zu schützen.
", "annotation": "Folgen reduzierter Adhärenz (WFH 2020, Kap. 6, c4) und förderliche Versorgung/Information (Astermark 2023, c5).", "quelle_n": 2, "input_citation_ids": ["c4", "c5"]}, {"origin": "new", "html": "Anders als beim klassischen Compliance-Verständnis fällt die Behandlungsentscheidung heute idealerweise gemeinsam. Bei der partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) besprechen Ärztin oder Arzt, weitere Mitglieder des Behandlungsteams und der Mensch mit Hämophilie A — bei Kindern auch die Eltern — die verfügbaren Optionen, Vorteile und Risiken sowie persönliche Werte und Sorgen offen miteinander.{{ref:2}} Gerade vor dem Start einer Langzeit-Vorbeugung bei bislang unbehandelten Kindern (PUPs) erklärt das Team den Eltern die kurz- und mittelfristige Perspektive für ihr Kind, einschließlich der Logistik im Alltag.{{ref:4}} Eltern gut zu informieren ist dabei eine zentrale Aufgabe des multidisziplinären Teams; ergänzend helfen Materialien von Patientenorganisationen.{{ref:4}}
", "annotation": "Shared Decision Making als Konzept (WFH 2020, Kap. 2, c6), PUP-Beratung der Eltern mit kurz-/mittelfristiger Perspektive (Astermark 2023, c7) und Rolle des multidisziplinären Teams plus Patientenorgs (Astermark 2023, c8).", "quelle_n": 2, "input_citation_ids": ["c6", "c7", "c8"]}, {"origin": "new", "html": "Schwierigkeiten beim Befolgen lassen sich selten durch Ermahnen lösen. Hilfreicher ist ein offenes, wertfreies Gespräch, in dem das Behandlungsteam mit offenen Fragen nach den Gründen für das Verhalten fragt, bestätigt, zuhört und das Gesagte zusammenfasst.{{ref:3}} So entstehen Lösungen, die zum Leben mit Hämophilie A passen — und das Befolgen der vorbeugenden Behandlung wird wieder zur eigenen Entscheidung.
", "annotation": "Offene, wertfreie Gesprächsführung und Motivational Interviewing als Konversationstechnik (Hoefnagels 2021, c9).", "quelle_n": 3, "input_citation_ids": ["c9"]}, {"origin": "new", "html": "